IOC-Generalversammlung beschließt wichtige Neuerungen
In Lausanne wurden die künftigen Kriterien für die Vergabe Olympischer Spiele konkretisiert. Strategic Dialogue als neue Kommunikationsebene eingeführt. Neuer Fonds ermöglicht direkte finanzielle Unterstützung für alle Olympiastarter*innen.
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat auf seiner außerordentlichen Generalversammlung am Hauptsitz in Lausanne (Schweiz) am Mittwoch wichtige Neuerungen im Rahmen des „Fit for the Future“-Prozesses vorgestellt, die auch die Bewerbung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele im Zeitraum 2036 bis 2044 betreffen. Der französische Ex-Kanute Tony Estanguet, Chef des Organisationskomitees der Spiele von Paris 2024, bestätigte als Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Olympic Games Delivery“, dass die Spiele 2036 im Jahr 2029 vergeben werden sollen. „Unsere Partner und Stakeholder hatten in vielen Gesprächen auf eine klare Zeitschiene gedrängt, die wir nun garantieren wollen“, sagte er.
Kirsty Coventry, Schwimm-Olympiasiegerin aus Simbabwe und seit einem Jahr als Nachfolgerin von Thomas Bach als IOC-Präsidentin im Amt, betonte in ihrer Eröffnungsrede, das IOC habe die Verantwortung, sich auf die Veränderungen der Gesellschaft einzustellen und gemeinsam die Zukunft zu gestalten. „Der Moment, in dem man aufhört, sich weiterzuentwickeln, ist der Moment, in dem man zurückfällt. Der Fit-for-the-Future-Prozess ist unser Werkzeug, um die nötigen Weiterentwicklungen voranzutreiben“, sagte die 42-Jährige.
Um künftigen Bewerbern mehr Zeit für eine Weiterentwicklung und mehr Unterstützung durch das IOC zu ermöglichen, wird für anstehende Vergaben eine neue Ebene zwischen dem Continuous und dem Targeted Dialogue eingeführt. Im Continuous Dialogue, in dem sich der DOSB seit Ende November 2025 mit dem IOC befindet, finden regelmäßige Gespräche mit interessierten Kandidaten statt, die dem Austausch und der Optimierung der Konzepte dienen. Diesen soll im März 2027 der Strategic Dialogue ablösen, der Ende 2028 in den Targeted Dialogue übergeht, den das IOC eröffnet, wenn es mit einem oder mehreren Bewerbern ein Konzept für ein konkretes Jahr entwickeln möchte.
DOSB-Präsident Weikert begrüßt die “klare Zeitschiene”
„Damit geben wir potenziellen Gastgebern mehr Unterstützung und einen klaren Zeitplan und den IOC-Mitgliedern die von ihnen eingeforderte bessere Möglichkeit zur Mitsprache“, sagte die frühere kroatische Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic, die im IOC die Future-Host-Kommission leitet. DOSB-Präsident Thomas Weikert sagte: „Wir begrüßen die Einführung einer klaren Zeitschiene für die Vergabe Olympischer Spiele, weil diese allen Kandidaten eine Orientierung für den weiteren Bewerbungsprozess geben wird.“
Bezüglich der Auswahl der Sportarten bei Olympischen Spielen wird mit Beginn der Sommerspiele in Brisbane (Australien) 2032 ein System eingeführt, das Geschlechtergleichheit, globale Anziehungskraft, Nachhaltigkeit und Kostenersparnis in den Vordergrund rückt. Damit können Sportarten in ihrer Gesamtheit, aber auch nur einzelne Disziplinen nachvollziehbarer und transparenter durch zukunftsträchtigere Kandidaten ersetzt werden. Fachverbände, deren Sportarten aus dem Programm gestrichen werden, werden künftig für einen weiteren olympischen Zyklus gefördert und können sich in der Folge um Wiederaufnahme bewerben.
Ich freue mich, dass mit der Einführung von Athletes Grants nun eine direkte Förderung von Olympionik*innen weltweit möglich ist. Damit hat die IOC-Präsidentin unterstrichen, dass ihr die Belange von Athletinnen und Athleten wirklich wichtig sind.
– Kim Bui
Gastgeber dürfen weiterhin Sportarten und Disziplinen einbringen, die einen starken lokalen Einfluss haben. Deren Zahl wird auf vier (Sommerspiele) und zwei (Winterspiele) begrenzt – mit dem klaren Ziel, das Sportprogramm zu reduzieren und die stetig wachsende Teilnehmendenzahl einzudämmen. In Los Angeles 2028 kommen noch fünf neue Sportarten gegenüber Paris hinzu: Baseball/Softball, Cricket, Flag Football, Lacrosse und Squash. Zum Programm der Winterspiele 2030 in Frankreich, für die die Nordische Kombination und der Parallel-Riesenslalom im Snowboarden auf der Kippe stehen, gab es keine neuen Informationen.
Mit einer Änderung der Charta unterstrich die 146. Vollversammlung zudem den eigenen Neutralitätsanspruch. Die Änderung besagt, dass „die Unabhängigkeit des olympischen Sports zu allen Zeiten frei von staatlichem, kulturellem, gesellschaftlichem oder wirtschaftlichem Druck zu gewährleisten sein“ müsse. Zur Rückkehr Russlands in die olympische Familie, über die seit der Wiederzulassung von Belarus im Mai spekuliert wird, gab es keinen neuen Stand.
140 Millionen Dollar investiert das IOC pro Olympiade in den Fonds
Großartige Nachrichten für die Athlet*innen hatte zum Abschluss des ersten Tages der Session der Spanier Pau Gasol zu überbringen. Der ehemalige Basketball-Superstar, der die IOC-Athlet*innenkommission anführt, stellte das Programm „Athletes Grants“ vor, das jeder Teilnehmerin und jedem Teilnehmer an Olympischen Spielen ermöglicht, einen finanziellen Zuschuss von bis zu 10.000 US-Dollar zu beantragen. Diese Regelung gilt rückwirkend auch für die Athlet*innen, die an den Winterspielen in Mailand Cortina im Februar dieses Jahres teilgenommen hatten. Sie ist eine Reaktion auf vielfältige Forderungen aus Kreisen der Athlet*innen nach besserer finanzieller Unterstützung. Der Zuschuss wird direkt beim IOC beantragt und von diesem mittels einer Rücklage von 140 Millionen US-Dollar pro Olympiade finanziert, aber über die Nationalen Olympischen Komitees (NOK) ausgezahlt.
Außerdem ist es künftig für alle NOK und alle Weltverbände verpflichtend, Athlet*innenvertretungen zu ermöglichen, um deren Mitsprache zu gewährleisten und ihre Stellung zu stärken. „Ich freue mich, dass die weltweit verpflichtende Einführung von Athlet*innenkommissionen in den Nationalen Olympischen Komitees und Internationalen Verbänden die Stimme von Athletinnen und Athleten weiter stärkt, und dass mit der Einführung von Athletes Grants nun eine direkte Förderung von Olympionik*innen weltweit möglich ist. Damit hat die IOC-Präsidentin unterstrichen, dass ihr die Belange von Athletinnen und Athleten wirklich wichtig sind“, sagte die frühere Turnerin Kim Bui, Mitglied der IOC-Athlet*innenkommission und des DOSB-Präsidiums.







