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„Magische Spiele“ – mit Mehrwert für ganz Italien

Mit einer farbenfrohen Abschlusszeremonie in der Arena von Verona gingen die Olympischen Winterspiele 2026 am vergangenen Sonntag zu Ende – und damit ein Großereignis, das weit über Medaillen und Rekorde hinauswirkt.

Italien nutzte diesen Moment, um sich noch einmal von seiner schönsten Seite zu zeigen: kulturell reich, historisch verwurzelt und zugleich modern, offen und zukunftsorientiert.

IOC-Präsidentin Kirsty Coventry lobte die Gastgeber bei der Abschlussfeier und sprach von „wahrhaft magischen“ Spielen, mit denen Italien einen neuen Standard gesetzt habe – sportlich, organisatorisch und gesellschaftlich. Olympische Winterspiele, die nicht nur Athlet*innen und Fans rund um den Globus begeisterten, sondern Impulse für Infrastruktur, Nachhaltigkeit, regionale Entwicklung und den gesellschaftlichen Zusammenhalt im ganzen Land gaben.

Die Spiele passen sich dem Gastgeber an – nicht umgekehrt

Die Olympischen Winterspiele 2026 waren nicht nur die ersten Winterspiele in Europa seit zwanzig Jahren, sondern auch die ersten, die vollständig nach den Vorgaben der Agenda 2020 des Internationalen Olympischen Komitees umgesetzt wurden. Ziel dieser Reformen war es, dass die Olympischen Spiele einen nachhaltigen und langfristigen Mehrwert schaffen. Getreu dem Motto: Die Spiele passen sich dem Gastgeber an. Nicht der Gastgeber den Spielen.

Ein zentrales Anliegen in Mailand und Cortina d’Ampezzo war die Nachhaltigkeit: Von insgesamt 13 Sportstätten wurden nur zwei neu errichtet – der Eiskanal in Cortina und die Santa Giulia Eishockey Arena in Mailand. Somit waren 85 Prozent der Wettkampfstätten bestehende oder temporäre Anlagen, darunter viele traditionsreiche Wintersportorte. Besonders Livigno, Austragungsort der Ski Freestyle und Snowboard Wettbewerbe ist ein gelungenes Beispiel: Durch Investitionen von mehr als 160 Millionen Euro in Sportanlagen und Infrastruktur wurde nicht nur der Wintersport gestärkt, sondern auch die Voraussetzungen für den Tourismus verbessert.

Zwei Olympische Dörfer – mit unterschiedlicher Nachnutzung

An den beiden Hauptstandorten wurden olympische Dörfer errichtet, wobei jeweils unterschiedliche Ansätze verfolgt wurden. In Mailand entstand auf einem ehemaligen Bahngelände dringend benötigter Wohnraum: Neue Wohnblöcke mit viel Grün, Solardächern und nachhaltiger Bauweise bieten nach den Spielen Platz für 1.700 Studierende, einschließlich Cafés, Geschäften und Gemeinschaftsräumen.

In Cortina wurde hingegen ein mobiles Olympisches Dorf geschaffen. Das Pop-Up-Dorf in den Dolomiten ist vollständig rückbaubar. Die mobilen Wohneinheiten werden künftig an Campingplätzen in ganz Italien weitergenutzt.

Das Thema Nachnutzung wurde auch als Verbindung zu den Olympischen Spielen 2024 in Paris aufgegriffen: 24.000 Gegenstände, darunter Möbel, Technik und medizinisches Equipment, wurden aus Paris weiterverwendet.

70 % der Abfälle wurden recycelt, und die Wettkampfstätten nutzten ausschließlich Ökostrom. Auch im Bereich der Schneeerzeugung beschritt Italien neue Wege: Es wurden keine chemischen Zusätze verwendet, der Stromverbrauch konnte um 30 % gesenkt werden und es kam vollständig erneuerbare Energie zum Einsatz.

Sport als Teil der Verfassung

Ein bemerkenswertes Vermächtnis der Spiele ist die grundlegende Verankerung des Sports in der italienischen Verfassung: „Die Republik erkennt den Bildungs- und Sozialwert sowie die Förderung des psychophysischen Wohlbefindens durch sportliche Aktivitäten in all ihren Formen an.“ Diese Ergänzung fand 2023 Eingang in die italienische Verfassung und soll den Wert des Sportes in der Gesellschaft unterstreichen.

Diesem Anspruch wurden die italienischen Organisatoren auch im Vorfeld der Spiele gerecht: Rund fünf Millionen Menschen haben an kommunalen Sportangeboten teilgenommen, und 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche profitieren vom Gen26-Bildungsprogramm, das olympische und paralympische Aktivitäten für Schüler*innen ermöglicht.

Über 330 Legacy-Projekte wurden in ganz Italien initiiert, mit zwei Hauptzielen: mehr Bewegung für alle sowie nachhaltige lokale wirtschaftliche Entwicklung. Zudem besteht eine Zusammenarbeit mit 20 Universitäten, die neue Sportprojekte fördern.

Die Wirtschaft profitiert langfristig

Wirtschaftlich wirkten die Spiele als Motor für das gesamte Land. Studien der Bocconi und Ca’ Foscari Universitäten schätzen, dass sich der Netto-Effekt auf bis zu fünf Milliarden Euro zwischen 2019 und 2031 beläuft. Mehr als 500 Millionen zusätzliche Steuereinnahmen und rund 36.000 neue Arbeitsplätze wurden generiert.

Bewerbung um die Sommerspiele?

Auch sportlich bleiben die Spiele den Italiener*innen in bester Erinnerung: Das „Team Italia“ gewann 30 Medaillen – so viele wie nie zuvor bei Winterspielen – darunter zehnmal Gold. Die Begeisterung erfasste das ganze Land: 1,3 Millionen Eintrittskarten wurden verkauft – ein neuer Rekord bei Winterspielen.

Die Spiele von Milano Cortina haben einen bleibenden Mehrwert für die Menschen in ganz Italien geschaffen – von nachhaltiger Infrastruktur, wirtschaftlichem Aufschwung bis hin zu einer stärkeren Identifikation mit dem Sport.

Italien blickt mit Stolz auf diese Spiele zurück und möchte diese Erfolgsgeschichte fortsetzen, womöglich mit einer neuerlichen Bewerbung um die Spiele. Rom könnte als möglicher Gastgeber für die Sommerspiele ins Rennen gehen.

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