5 Ringe – 5 Fragen: Wie geht es weiter mit der Olympiabewerbung?
Von der Veröffentlichung der vier Bewerbungskonzepte über das erste erfolgreiche Bürgerreferendum bis hin zur Unterstützung aus Politik und Wirtschaft:
Zahlreiche Meilensteine haben den Kurs der Olympiabewerbung 2025 geprägt. Wir blicken zurück – und voraus auf das Jahr 2026.
Frage 1: Wie ist der aktuelle Stand der Olympiabewerbung?
Die deutsche Olympiabewerbung hat im vergangenen Jahr an Fahrt aufgenommen – mit starkem Rückenwind aus allen Bereichen der Gesellschaft.
Eine aktuelle, repräsentative dimap-Studie im Auftrag des DOSB zeigt: 74 Prozent der Menschen in Deutschland stehen hinter Olympia. Auch die Wirtschaft ist an Bord. Knapp 40 Unternehmen haben sich bereits zusammengeschlossen, um die Bewerbung zu unterstützen. Dazu kommen klare politische Signale: Ein Beschluss des Bundeskabinetts und eine neue politische Vereinbarung zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz, DOSB-Präsident Thomas Weikert, den Ministerpräsidenten aus Bayern (Markus Söder), Berlin (Kai Wegner), Hamburg (Peter Tschentscher) und Nordrhein-Westfalen (Hendrik Wüst) sowie den Oberbürgermeistern aus Köln (Torsten Burmester) und München (Dieter Reiter) geben der Bewerbung zusätzliche Stabilität.
Parallel läuft der nationale Auswahlprozess, an dessen Ende das beste Konzept für Deutschland mit den größten internationalen Erfolgschancen stehen soll. Im Mai 2025 hatten die vier Regionen Berlin, Hamburg, München und Köln-Rhein-Ruhr ihre Bewerbungskonzepte eingereicht. Der DOSB hat nach einer ersten Prüfung bestätigt, dass alle vier Kandidaten die grundlegenden, operativen Anforderungen erfüllen. In der nun folgenden zweiten Stufe geht es um die politische Absicherung – München hat diesen Schritt bereits erfolgreich gemeistert. Am 26. Oktober stimmten 66 % der Münchner*innen für Olympia und Paralympics in ihrer Stadt. Im Dezember verabschiedete schließlich die DOSB-Mitgliederversammlung den weiteren Fahrplan für das Jahr 2026.
Frage 2: Welche Termine werden 2026 wichtig für die Olympiabewerbung?
Während sich der Blick der Sportwelt auf die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo richtet, geht in den Bewerberstädte die Bürgerbeteiligung rund um mögliche Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 weiter. Berlin startet im Januar seine Kampagne und stellte jüngst ein Kuratorium vor, das im kommenden Jahr eine breite und nachhaltige Grundlage für die Berliner Bewerbung schaffen soll.
Fünf Wochen nach dem Ende der Paralympischen Winterspiele stehen dann am 19. April zwei Bürgerentscheide über Olympische und Paralympische Spiele an: In Nordrhein-Westfalen sind 17 Kommunen zur Abstimmung über das Konzept Köln-Rhein-Ruhr aufgerufen. Zudem stimmt Kiel, neben Rostock einer der beiden möglichen Segelstandorte, über Olympia ab. Am 31. Mai wird schließlich in Hamburg über die Bewerbung abgestimmt.
Parallel dazu können alle Bewerber ihre Konzepte noch schärfen und verfeinern. Die finalen Konzepte müssen schließlich bis zum 4. Juni beim DOSB eingereicht werden. Anschließend werden die finalen Konzepte evaluiert. Die finale Entscheidung über den nationalen Bewerber fällt am 26. September auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Baden-Baden.
Frage 3: Wie läuft die finale Auswahl des nationalen Bewerbers ab?
Bis zum 4. Juni 2026 reichen die Bewerberregionen Berlin, Hamburg, München und Köln-Rhein-Ruhr ihre finalen Konzepte beim DOSB ein. Anschließend werden diese anhand fünf klar definierter Kriterien bewertet. Die sportfachliche und operative Eignung sowie die internationale Wettbewerbsfähigkeit und nationale Akzeptanz werden gemeinsam durch den DOSB und die olympischen Spitzenverbände geprüft und bewertet. Dabei stehen zum Beispiel Kategorien wie Reisezeiten, Ticketpotenziale bzw. die Strahlkraft der Bewerber im Fokus.
In der Kategorie Vision und Legacy prüft eine Arbeitsgruppe die Konzepte auf Plausibilität, insbesondere in Bezug auf deren Nachhaltigkeit und langfristige gesellschaftliche Wirkung. Eine weitere Arbeitsgruppe unter gemeinsamer Leitung von DOSB und Bundeskanzleramt analysiert Kosten und Finanzierung. Diese Arbeitsgruppe betrachtet auch infrastrukturelle Sonderprojekte, zum Beispiel aus den Bereichen Mobilität, Stadtentwicklung oder Digitalisierung. Da diese allerdings keinen direkten Einfluss auf die Umsetzbarkeit der Spiele haben, ist diese Kategorie nicht prüfungsrelevant.
Anschließend überprüft und bestätigt eine Evaluierungskommission die Ergebnisse des Bewertungsverfahrens auf die Einhaltung der vereinbarten Kriterien und ihre Nachvollziehbarkeit. Die Kommission kann zudem für die abschließende Beschlussfassung auf der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 26. September 2026 eine Empfehlung abgeben.
Frage 4: Wann startet das internationale Bewerbungsverfahren?
Seit November 2025 befindet sich der DOSB im sogenannten „Continuous Dialogue“ mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC), der ersten formalen Phase des modernisierten Bewerbungsverfahrens, das im Zuge der Agenda 2020 eingeführt wurde.
Der Continuous Dialogue bietet die Möglichkeit, die Pläne und Ideen gemeinsam mit dem IOC weiterzuentwickeln und ist editionsunabhängig angelegt. Deutschland muss sich daher noch nicht auf ein konkretes Austragungsjahr festlegen, sondern kann gemeinsam mit dem IOC die Optionen 2036, 2040 und 2044 prüfen. Ein Zeitpunkt für die nächste Vergabe Olympischer Spiele durch das IOC ist derzeit noch offen.
Frage 5: Warum möchte Deutschland die Olympischen und Paralympischen Spiele ausrichten?
Diese Fragen beantwortet der deutsche Sport und die Bundesregierung erstmals gemeinsam – in einer nationalen Vision, die auf der DOSB-Mitgliederversammlung vorgestellt wurde. Im Mittelpunkt stehen die Spiele als Chance, das Land zu erneuern, gesellschaftliche Spaltung zu überwinden, Innovation zu fördern und eine neue Zukunftserzählung zu schaffen.
In einer Zeit, in der Deutschland vor tiefgreifenden Veränderungen steht – gesellschaftlich, wirtschaftlich und infrastrukturell – können die Olympischen und Paralympischen Spiele verbinden, Zuversicht stiften und die Modernisierung unseres Landes beschleunigen. Deutschlands Zukunft: Fit durch Olympia.
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