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5 Ringe - 5 Fragen mit Christian Kullmann | CEO Evonik

"Ich selbst habe Olympische Spiele in Deutschland nie bewusst erlebt – bei den letzten Sommerspielen hierzulande in München 1972 war ich drei Jahre alt. Umso mehr frage ich mich: Warum eigentlich nicht wieder? Das Fußball „Sommermärchen“ 2006 hat gezeigt, welche positive Kraft entsteht, wenn ein ganzes Land zusammenkommt, offen, fröhlich und stolz, ohne Überheblichkeit."

Christian Kullmann, Vorstandvorsitzender von Evonik spricht im Interview darüber, wie Olympische und Paralympische Spiele ein Schaufenster für Deutschland werden können.

Frage 1: Welche Chance bietet eine deutsche Olympiabewerbung aus Ihrer Sicht für die 
nächste Generation?

Eine Olympiabewerbung kann für die nächste Generation ein kraftvoller Impuls sein: Sie verbindet Leistungsbereitschaft, Teamgeist und internationale Offenheit mit konkreten 
Zukunftsinvestitionen. Junge Menschen erleben, dass große Ziele erreichbar sind, wenn Gesellschaft, Politik und Wirtschaft gemeinsam handeln. Gleichzeitig werden Bildung, 
Sportförderung, Innovation und nachhaltige Infrastruktur gezielt gestärkt – also genau die Bereiche, die ihre Zukunft prägen werden.

Frage 2: Olympische und Paralympische Spiele stehen für Spitzenleistung, Wandel und internationale Zusammenarbeit. Welche Parallelen sehen Sie zwischen diesen Werten und der Rolle von Evonik als globalem Chemie-Unternehmen?

Diese Werte spiegeln sich stark in unserem unternehmerischen Selbstverständnis, unserem Purpose, wider:

  • Spitzenleistung bedeutet für uns, innovative Lösungen zu entwickeln, die weltweit Maßstäbe setzen. We Go Beyond!
  • Wandel ist unser tägliches Geschäft – wir treiben mit unseren Produkten und Lösungen Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit und neuen Technologien aktiv voran.
  • Und internationale Zusammenarbeit ist essenziell: Als globales Unternehmen arbeiten wir über Kontinente hinweg zusammen, um die komplexen Herausforderungen unserer Zeit zu lösen. 

Insofern sind die Olympischen und Paralympischen Spiele ein sehr treffendes Sinnbild für das, was auch unsere tägliche Arbeit prägt.

Frage 3: Kann eine Olympiabewerbung dazu beitragen, das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit Deutschlands zu stärken? Welche Rolle kann die Wirtschaft dabei spielen?

Ich sehe eine Olympiabewerbung als Chance, das Vertrauen in Deutschlands langfristige Stärke und Wettbewerbsfähigkeit zu festigen – vorausgesetzt, sie wird konsequent auf 
Innovation, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Vernunft ausgerichtet. Ein solches Vorhabenkann zeigen, dass wir große Transformationen erfolgreich gestalten können – von klimaneutraler Infrastruktur bis hin zu digital vernetzten Städten. Damit senden wir zeitgleich ein starkes Signal an Investoren, Talente und die Gesellschaft. Die Wirtschaft spielt dabei eine zentrale Rolle, indem sie als Partner für Finanzierung, Technologie und Umsetzung auftritt und ihre Innovationskraft sichtbar macht. So bleibt Olympia nicht nur ein Sportereignis, sondern wird ein Schaufenster für die industrielle Zukunft Deutschlands.

Frage 4: Die Diskussion um Olympische Spiele dreht sich zunehmend um den langfristigen Nutzen. Welche konkreten Vermächtnisse – etwa für Infrastruktur, Bildung oder Nachhaltigkeit – sollte eine deutsche Bewerbung unbedingt anstreben?

Entscheidend ist, dass die Spiele einen nachhaltigen Mehrwert für Standorte und Menschen schaffen: durch moderne, dauerhaft nutzbare Infrastruktur, effiziente Mobilität und zusätzlichen, bezahlbaren Wohnraum – also genau jene Faktoren, die Städte lebenswerter und wettbewerbsfähiger machen. Erfolgreiche Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, was möglich ist: etwa der Ausbau der U-Bahn in München 1972 oder der bis heute anhaltende Tourismusschub für Barcelona seit 1992. Olympische und Paralympische Spiele bedeuten einen echten, langfristigen Standortvorteil für Wirtschaft und Gesellschaft. Auch Unternehmen profitieren: Bessere Standortbedingungen, Vorteile im Wettbewerb um Fachkräfte und eine höhere Lebensqualität für die eigenen Mitarbeiter.

Frage 5: Viele Menschen erinnern sich ihr Leben lang an ihren ersten olympischen Moment. Gibt es ein Olympia- oder Paralympics-Erlebnis, das Sie persönlich geprägt hat und das Ihre Begeisterung für eine deutsche Bewerbung erklärt?

Ich habe die besondere Atmosphäre von Olympischen Spielen – etwa in London oder zuletzt in Paris – als unglaublich inspirierend erlebt: Weltrekorde, Ausnahmesportler wie Bolt oder Phelps, aber vor allem dieses einzigartige Wir-Gefühl, das Menschen weltweit verbindet. Für ein paar Wochen zählt weniger, was uns trennt, sondern das, was uns eint – Fairness, Respekt und gemeinsame Begeisterung; gerade die Paralympics zeigen das auf besonders bewegende Weise. Ich selbst habe Olympische Spiele in Deutschland nie bewusst erlebt – bei den letzten Sommerspielen hierzulande in München 1972 war ich drei Jahre alt. Umso mehr frage ich mich: Warum eigentlich nicht wieder? Das Fußball „Sommermärchen“ 2006 hat gezeigt, welche positive Kraft entsteht, wenn ein ganzes Land zusammenkommt, offen, fröhlich und stolz, ohne Überheblichkeit. Genau solch einen Impuls könnten wir heute dringend gebrauchen. Und deshalb sage ich auch klar: Olympische und Paralympische Spiele gehören nicht in autoritäre Systeme, sondern in offene, demokratische Gesellschaften, die für Vielfalt, Fairness und Zusammenhalt stehen. Eine deutsche Bewerbung wäre in diesem Sinne weit mehr als Sport – sie wäre ein Bekenntnis zu genau diesen Werten.

Bild: Evonik Industries AG

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