Leichte Sprache
Sprache ändern:

„Wir sind in der Lage, dem IOC ein sehr gutes Angebot zu machen“

Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat auf seiner 146. Session in Lausanne in dieser Woche wichtige Entscheidungen für die Zukunft der Olympischen Bewegung getroffen.

DOSB-Präsidiumsmitglied Michael Mronz, seit drei Jahren IOC-Mitglied, war bei der Session vor Ort. Für dosb.de ordnet er die Entscheidungen und die Bedeutung für die laufende deutsche Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele ein.

DOSB: Herr Mronz, wie fällt das Fazit zur 146.-Session aus?

Michael Mronz: Die Session hat in unterschiedlichen Bereichen wichtige Weichen für die Zukunft der Olympischen Bewegung gestellt. Es war eine große Einigkeit innerhalb der olympischen Familie zu spüren. Das von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry initiierte Programm „Fit for the Future“ entfaltet bereits nach einem Jahr ihrer Amtszeit seine erste Wirkung. Die wichtigste Entscheidung war die Stärkung der politischen Neutralität des Sports. Es wurde deutlich gemacht, welch hohe Bedeutung die Autonomie des Sports hat. Der Sport ist ein eigenständiger, positiver Akteur mit Vorbildcharakter, der nicht als Ausputzer politischer Entwicklungen missbraucht werden darf. Aber auch die direkte finanzielle Unterstützung für alle Athletinnen und Athleten, die an den Spielen teilnehmen, ist ein wichtiger Schritt. Aus nationaler Sicht waren zudem die Entscheidungen, die den künftigen Bewerbungsprozess um Olympische Spiele betreffen, von besonderem Interesse. 

Was sind mit Blick auf die deutsche Olympiabewerbung die wichtigsten Änderungen?

Die Änderungen sind eine logische Weiterentwicklung der erfolgreichen Reformen, die unter dem heutigen IOC-Ehrenpräsidenten Thomas Bach umgesetzt wurden. Das IOC reagiert damit auf unterschiedliche Forderungen, die im Konsultationsprozess des vergangenen Jahres artikuliert wurden. Die IOC-Member wollen wieder stärker in den Auswahlprozess involviert werden, die Bewerber möglichst viel Planbarkeit, zeitliche Vorgaben und Transparenz. Ich persönlich finde, dass der neue Prozess die Grundlage dafür bildet, dass viele dieser Wünsche erfüllt werden können. Eine wichtige Neuerung ist dabei die Einführung einer zusätzlichen Dialogstufe. Auf den „Continuous Dialogue“ folgt jetzt der „Strategic Dialogue“. Diese strategische Dialogphase soll im Rahmen der Vergabe der Spiele 2036 erstmals im März 2027 beginnen und den Austausch zwischen dem IOC und interessierten Bewerbern weiter vertiefen, auch um eine möglichst hohe Passfähigkeit mit den IOC-Zielen zu schaffen. Ende 2028 soll – so die vorgestellten Planungen – dann der „Targeted Dialogue“ mit einem oder mehreren Bewerbern eröffnet werden.

Bedeutet die Tatsache, dass ein „Targeted Dialogue“ mit mehreren Bewerbern eröffnet werden kann, automatisch, dass es bei der IOC-Session zu einer Kampfabstimmung kommen wird?

Nein, nicht zwingend. Auch bislang war es möglich, dass das IOC den „Targeted Dialogue“ mit mehreren Bewerbern eröffnet. Und auch wenn sich mehrere Bewerber in dieser Dialogstufe befinden sollten, ist es möglich, dass am Ende der Session nur ein Kandidat vorgeschlagen wird.

Die Antwort auf die Frage nach dem Vermächtnis der Spiele sind eben längst nicht mehr neue Stadien und Arenen, sondern mehr Sport und ein besseres Miteinander.

– Michael Mronz

Wann ist mit der nächsten Vergabe von Sommerspielen zu rechnen?

Wir wissen nun, dass die Vergabe der Spiele 2036 auf der IOC-Session Mitte 2029 erfolgen wird. Damit lägen zwischen Vergabe und Ausrichtung noch sieben Jahre. Ein Zeitraum, so wird hier und da interpretiert, der möglicherweise Bewerbern entgegenkommt, die bereits heute über eine leistungsfähige (Sport)-Infrastruktur verfügen. Sollte Deutschland 2027 mit dem am 26. September ausgewählten Bewerber in den „Strategic Dialogue“ aufgenommen werden, hätten wir damit einen klar strukturierten Prozess vor uns: die Weiterentwicklung des Konzepts im engen Austausch mit dem IOC. Das schafft Planungssicherheit und einen transparenten Fahrplan für alle Beteiligten.

Beeinflussen die Änderungen im Verfahren des IOC die Auswahl des deutschen Bewerbers?

Der DOSB hat stets betont, dass der nationale Auswahlprozess sehr gut auf das internationale Verfahren abgestimmt ist. Die in Lausanne präsentierten Entscheidungen unterstreichen diese Einschätzung. Nicht nur zeitlich, sondern auch inhaltlich. Viele Schwerpunkte, die wir im nationalen Prozess in den zurückliegenden Jahren gelegt haben, gewinnen durch „Fit for the Future“ weiter an Bedeutung. Deutschland wird am 26. September in Baden-Baden, also sechs Monate bevor das IOC über die Teilnehmer am „Strategic Dialogue“ entscheidet, seinen Bewerber bestimmen. Einen Bewerber, der in den wichtigen Bereichen Sportstätten, Infrastruktur, Legacy und Finanzierung über ein sehr detailliertes Konzept sowie die notwendige politische und gesellschaftliche Unterstützung verfügt. Egal, wer schlussendlich für Deutschland ins Rennen geht: Es wird ein Bewerber sein, bei dem nahezu alle Sportstätten bereits vorhanden sind. Wir sind also bereit, dem IOC für seinen neuen Prozess ein sehr gutes Angebot zu machen. Wir können viel auf den Tisch bringen, was dem IOC wichtig ist: Integrität, politische Stabilität und eine Gesellschaft, die sich nicht nur in zahlreichen Referenden für die Spiele in Deutschland ausgesprochen hat. Deutschland will die Spiele. Das zeigen die konstanten Zustimmungswerte von 70 Prozent und die große Unterstützung aus Wirtschaft und Politik, die die Bewerbung erfährt. 

Wie sehen die Spiele der Zukunft aus?

Die Richtung ist klar: Ein starker, unabhängiger Sport – mit Athletinnen und Athleten im Zentrum – und Olympische Spiele, die weltweit verbinden und nachhaltig Wirkung entfalten. Die Antwort auf die Frage nach dem Vermächtnis der Spiele sind eben längst nicht mehr neue Stadien und Arenen, sondern mehr Sport und ein besseres Miteinander. Die Spiele sollen der Ort sein, an dem die Jugend der Welt zusammenkommt.

News